Der Ostholsteiner Anzeiger schrieb am 22.12.2011 über unsere Preisverleihung:
2. Anny-Trapp-Preis für „Notruf”

22. Dezember 2011 | 06:40 Uhr | Von Achim Krauskopf | Foto: Krauskopf
Freude bei der Preisverleihung: Christina Zander, Anke Montag, Gisela Poersch, Gabriele Pfingsten und Regina Poersch.
Nach 20 Jahren wurde gestern Abend in Eutin wieder der Verein ausgezeichnet, der 1991 den ersten Preis bekommen hatte.
Eutin. Ein Kreis hat sich geschlossen: 20 Jahre, nachdem der erste Anny-Trapp-Preis der Initiative „Notruf - Frauen gegen Gewalt" verliehen wurde, ist gestern Abend der gleiche Preis wieder dem Verein „Notruf Ostholstein - Information und Beratung für Frauen und Mädchen" zugesprochen worden. Vor 20 Jahren waren es 3000 DM, gestern gab es 1500 Euro, die Gabriele Pfingsten, Anke Montag und Christina Zander aus den Händen von Gisela Poersch und Regina Poersch (MdL) entgegen nahmen.
Im Bürgertreff in der Stolbergstraße erinnerte die Landtagsabgeordnete und Laudatorin Regina Poersch an die Namensgeberin Anny Trapp, deren Geburtstag sich gestern zum 110. Mal jährte, und würdigte die Arbeit des Notrufs. In den vergangenen 20 Jahren seien Aufmerksamkeit und Bereitschaft der Menschen, bei Gewalt nicht wegzusehen, größer geworden, und es wachse auch die Bereitschaft von Opfern, Hilfe zu suchen. Auch die Arbeit des Notrufs habe sich deutlich gewandelt, der Verein sei wichtiger Partner des Netzwerkes „Kooperations- und Interventionskonzept" des Landes, er habe seine Arbeit über Eutin hinaus mit Beratungsstellen in Neustadt, Oldenburg und Fehmarn erweitert und sich gesellschaftlichen Änderungen wie dem Phänomen Stalking angepasst.
Die finanzielle Situation aber ist, wie Poersch weiter sagte, nicht einfacher geworden. Die Idee der Landesregierung, Einrichtungen wie Notrufe und Frauenhäuser in den Kommunalen Finanzausgleich zu überführen, sei grundsätzlich nicht schlecht, aber leider mit einer jährlichen Kürzung um eine halbe Million Euro verbunden. Das halte sie für inakzeptabel.
„20 Jahre ist die Welt leider keine bessere geworden. Es ist gut, dass es Sie gibt, und es ist dringend erforderlich, Ihr Wirken noch einmal durch den Anny-Trapp-Preis zu würdigen." Die Mitgliederversammlung habe die Preisvergabe an den Notruf einstimmig entschieden.
Notruf-Vorsitzende Gabriele Pfingsten stellte fest, dass mittlerweile mit Ausnahme des Vorstandes die Arbeit des Vereines mit angestellten Kräften erfolge. Vor 20 Jahren seien 1100 Beratungsstunden geleistet worden, im vergangenen Jahr habe es 1400 Beratungen gegeben. Das seien fast immer viele Stunden, meistens Begleitung über Wochen und Monate.
Die Vorsitzende des preisstiftenden Vereines, Gisela Poersch, bekundete Stolz, dass es einem so kleinen Verein in 20 Jahren immer wieder gelungen sei, durch Beiträge und Spenden das Preisgeld aufzubringen. Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, selbst
Vereinsmitglied, berichtete von einem spürbaren Bewusstseinswandel: Bei der Verteilung von Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte" sei er früher auf empörte Männer gestoßen. Mittlerweile gebe es immer mehr Reaktionen voller Verständnis.
Eine Besonderheit bildete gestern Abend das Duo, das die Preisverteilung musikalisch rahmte: Der pensionierte Musiklehrer Peter Korff (Klavier) spielte zusammen mit seiner Tochter Katharina Bodisco (Violine). Sie lebt in Australien und unternimmt einen Weihnachtsbesuch in ihrer alten Heimat.

